Elisabeth Krista – Botschafterin für glückliche Kindheiten

Zuhören

„Kinder können heutzutage einfach nicht zuhören!“ oder „Mein Kind hört nie!“ So oder ähnlich hast du dich selbst vielleicht schon klagen hören?

Wie kriegen wir Kinder dazu, zuzuhören? Gibt es dafür Tricks und Tools?

Die gibt es tatsächlich.

In meinen Workshops und Beratungen ist der heißest umkämpfte Graben oft: das Zuhören! Kinder tun es einfach nicht. Sie wollen es nicht tun. Oder sie können es nicht. Zuhören wird oft mit folgsam sein assoziiert. Hören=tun was gesagt wird. Erstaunlich aber wahr: Kinder haben ein fantastisches Gehör.

Das beste Tool, damit Kinder zuhören lernen ist: zuhören.

In vielen Bereichen sind wir Erwachsene uns bewusst, dass wir für Kinder Modelle sind. Und dass sie sich Verhaltensweisen bei uns abschauen. Und gleichzeitig denken wir: „Ich muss nur oft genug erklären, dann wird das Kind doch irgendwann zuhören!“

Was sieht und erlebt ein Kind, wenn du auf es einredest? Nimm dir einen Moment Zeit und stelle es dir richtig gut vor. Du bist etwa einen Meter groß und eine Erwachsene erklärt dir etwas. Sie kann dabei freundlich sein oder ungeduldig, auf Augenhöhe oder von oben. Wie fühlst du dich? Was entscheidest du?

Jetzt stell dir vor, du bist fünf Jahre alt und hast ein Anliegen, eine Frage: „Wieso bewegen sich die Wolken von selbst am Himmel?“ und die Erwachsene antwortet: „Was glaubst du, warum sie sich bewegen?“ Was passiert in dir?

In der positiven Disziplin fragen wir immer nach den langfristigen Konsequenzen unseres Tuns. Wenn wir erklären und reden: Wird das Kind dadurch lernen zu denken und Fragen zu stellen? Oder wird es lernen, dass es fertige Antworten gibt?

Stell dir vor: Du bist fünf und neugierig. Und eine Erwachsene erklärt dir die Welt.

Denke an die 2 Listen aus den Workshops der positiven Disziplin: Welche Lebenskompetenzen wünschst du dem Kind in deinem Leben? Vermutlich steht da unter anderem Selbstreflexion, Zielorientierung, Intelligenz, Kreativität, Lebensplanung und vieles mehr. Du hilfst Kindern dabei, diese zu entwickeln, indem sie selber denken dürfen. Und Kinder denken gern!

Es braucht Geduld und Zurückhaltung, nicht der oder die wissende Erwachsene zu sein. Habe den Mut, mit geduldigen Reflexionen so viele Runden zu drehen, bis das Kind für sich eine Lösung gefunden hat. Etwa indem du sagst: „Das ist rätselhaft.“ (auf die Frage mit den Wolken) oder: „Das beschäftigt dich ein bisschen, stimmt’s?“ Wenn Kinder Wissensquellen anzapfen wollen, kannst du ihnen dazu Vorschläge machen. Du kannst vorschlagen:

„Möchtest du auf das Rad der Möglichkeiten schauen, vielleicht ist da eine Lösung dabei?“

„Hast du Lust, in der Bibliothek ein Buch zum Thema Wetter und Wolken zu suchen?“

Fragen und Reflexionen begleiten Kinder darin, ihre eigenen Denkprozesse zu durchlaufen.

Besonders bei Konflikten und Problemen, die Kinder mit uns teilen, ist die offene Frage Gold wert. Du erfährst so viel mehr, wenn du dein Kind erzählen lässt. Reflexionen wie: „Das war bestimmt unangenehm!“ regen an, mehr zu erzählen. Indem es spricht und denkt findet es für sich eine Lösung oder eine Antwort.

Straßensperren der Kommunikation

Thomas Gordon formuliert 12 Kommunikationssperren. Vielleicht hast du Lust, ein kleines Experiment zu wagen? Lies sie durch und überlege dir, wann sie dir zuletzt im Umgang mit einem Kind passiert sind.

  1. Befehlen, Anordnen, kommandieren
  2. Warnen, ermahnen, drohen
  3. Beraten, Vorschläge machen, Lösungen liefern
  4. Belehren, durch Logik begründen
  5. Moralisieren, predigen beschwören
  6. Verurteilen, kritisieren widersprechen, Vorwürfe machen, beschuldigen
  7. Loben, zustimmen, schmeicheln
  8. Beschämen, beschimpfen, lächerlich machen
  9. Interpretieren, analysieren, diagnostizieren
  10. Beruhigen, Sympathie äußern, trösten, aufrichten
  11. Nachforschen, fragen, verhören
  12. Ausweichen, ablenken, aufziehen, aufheitern, Thema wechseln

Diese Kommunikationssperren können Widerstand oder Rebellion auslösen. Sie verhindern, dass die andere Person nachdenkt, reflektiert und lernt. Oder machen es zumindest sehr viel schwerer.

Diese Straßensperren führen in Gesprächen dazu, dass die Person mit dem Anliegen (in unserem Fall das Kind) zuerst die Straßensperre überwinden muss. Beispielsweise muss es erst überwinden, dass der Erwachsene seine Gefühle lächerlich macht und möglicherweise kann es danach nicht mehr weiterdenken. Oder Lob: Du bist ein kluges Kind! Dieser Satz kann dazu führen, dass ein Kind nicht versteht und auch nicht verstehen will, warum ihm eine Prüfung gut gelungen ist. Also hört die Selbstreflexion an dieser Stelle auf.

Warum hilft aktives Zuhören Kindern?

  • Weil sie eigene Ideen entwickeln
  • Weil ihre kognitiven Kompetenzen gestärkt werden: logisches Denken, Reflexion, explizites Lernen und vieles mehr
  • Weil ihre Problemlösekompetenz gestärkt wird
  • Weil dein Kind sich dadurch gehört und gesehen fühlt
  • Weil sie lernen, zuzuhören

Wie immer gilt: es besteht kein Anspruch auf Perfektion.

Ein Bewusstsein dafür, wie oft wir versucht sind, Kindern (oder auch anderen Erwachsenen) die Welt zu erklären, hilft schon. So schauen sich Kinder ab, was zuhören bedeutet. So bekommen sie die Chance, selbst zu hervorragenden Zuhörenden zu werden.

Tools der positiven Disziplin, die dir dabei helfen

Zu den Tools aus der postiven Disziplin, die zu diesem Thema passen gehört mit Sicherheit: Fragen statt sagen.

Fragen statt sagen ist jedoch ein Tool, das wir dazu verwenden, Kooperation herzustellen und Kindern zu ermöglichen, selbst ihren Routinen und Verpflichtungen nachzukommen.

Offene Fragen und Reflexionen sind dann angezeigt, wenn das Kind etwa ein Dilemma formuliert, einen Konflikt hat oder eine Lösung sucht. Sobald das Kind zwischen einem Pol und einem anderen schwankt, dürfen wir es mit liebevollen Reflexionen und aktivem Zuhören dabei begleiten, selbst eine Lösung zu finden.

Offene Fragen und Reflexionen sind dann angezeigt, wenn das Kind etwa ein Dilemma formuliert, einen Konflikt hat oder eine Lösung sucht. Sobald das Kind zwischen einem Pol und einem anderen schwankt, dürfen wir es mit liebevollen Reflexionen und aktivem Zuhören dabei begleiten, selbst eine Lösung zu finden.

Events, die dir dabei helfen, besser zuzuhören:

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Bleibe auf dem Laufenden!

Melde dich hier für meinen Newsletter an​

Durch deine Anmeldung akzeptierst du die Datenschutzbestimmungen

Verwandte Beiträge

Blog Posts

Komplimente, Anerkennung, Wertschätzung​

Komplimente und Anerkennung helfen dir, die positiven Aspekte der Persönlichkeit des Kindes verstärkt...

Vereinbarungen

Vereinbarungen sind keine starren Regeln, sondern lebendige Prozesse. Wenn Kinder sie nicht einhalten, geht es nicht um...

Werte im Team

Werte im Team beeinflussen Zusammenarbeit, Kommunikation und psychologische Sicherheit. Warum gemeinsame Werte...

Translanguaging

Translanguaging hilft Fachkräften in Kitas, die vielen Sprachen eines Kindes als Kompetenz wahrzunehmen und die...

Impulsives Verhalten in der Kita

Immer häufiger melden sich Kita-Teams bei mir, die sich im Alltag durch impulsives Verhalten von Kindern stark...

Vereinbarungen mit Kindern

Erwischst du dich öfter dabei, deine Kinder frustriert an Vereinbarungen zu erinnern? In diesem Artikel findest du...

Klingt gut?

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Komplimente, Anerkennung, Wertschätzung

Komplimente und Anerkennung helfen dir, die positiven Aspekte der Persönlichkeit des Kindes verstärkt wahrzunehmen. 

Passiert es dir manchmal im Alltag mit Kindern, dass du deine Aufmerksamkeit auf das Fehlverhalten lenkst? Dass du dich darüber ärgerst, wie dein Kind sich verhält wenn es wütend ist, streitet, schreit oder unehrlich ist? Und manchmal hast du den Eindruck, dein Kind ist „nur noch“ bockig, launisch, kaum auszuhalten? Dann sind Komplimente für dich und das betreffende Kind ein wirksames Antidot.

Warum Komplimente?

Komplimente und Anerkennung helfen dir, die positiven Aspekte der Persönlichkeit des Kindes wahrzunehmen. Und sie helfen dem Kind, zu verstehen, welches Verhalten von ihm erwartet wird. Außerdem motiviert es jedes Kind unheimlich, wenn es regelmäßig hört, was es richtig und gut gemacht hat.

Komplimente stärken also eure Beziehung und sie ermutigen Kinder. Sie verbessern das Familien- oder Gruppenklima und reduzieren Konflikte.
Wir fühlen uns gehört und gesehen und müssen nicht Aufmerksamkeit oder Macht darüber erlangen, Streit oder Unfrieden zu stiften. Klingt logisch? Dann mal los:

Komplimente helfen dem Kind, zu verstehen, welches Verhalten von ihm erwartet wird.

Gibt es einen Unterschied zwischen den dreien: Komplimente, Anerkennung, Wertschätzung

Die drei Begriffe sind für verschiedene Altersgruppen besser zu verstehen. Jüngere Kinder können mit dem Wort „Komplimente“ eher etwas anfangen, während Jugendliche lieber „Wertschätzung“ oder „Anerkennung“ sagen. Wie du es nennst, hängt von den Kindern und dem Kontext ab.

Fragen und Reflexionen begleiten Kinder darin, ihre eigenen Denkprozesse zu durchlaufen.

Komplimente – Wie sag‘ ich’s?

Komplimente wollen geübt werden. Kinder können sich besser vorstellen, was gemeint ist, wenn du ein paar Beispiele gibst. Gib die konkrete Formulierung vor, denn sonst bleiben Komplimente oft zu vage. Etwa: „Ich schätze Tamara, weil sie so lieb ist.“ Hier könntest du nachfragen: „Was tut Tamara, das dir das Gefühl gibt, sie hat dich lieb?“ Jane Nelsen empfiehlt in ihrem Buch die Formulierung: „Ich möchte gerne (Name) ein Kompliment machen, weil sie (etwas Bestimmtes) gemacht hat.“

Komplimente, Wertschätzung und Anerkennung bezieht sich auf

  • etwas, das jemand persönlich erreicht hat,
  • Hilfsbereitschaft oder
  • etwas, das jemandem eine Freude macht.

Komplimente für den Familienrat/ Gruppenrat/ Gruppenkreis

In den regelmäßigen Runden, die in der Familie oder Gruppe stattfinden, nehmen Komplimente und Anerkennung den wichtigsten Teil ein. Sie erfolgen immer am Beginn jeder Runde. Wenn ihr gerade erst mit dem Rat beginnt, nehmt euch ein paar Durchgänge Zeit, um nur Komplimente zu verteilen. Dabei ist es wichtig, dass jede anwesende Person ein Kompliment erhält.

Diese Kommunikationssperren können Widerstand oder Rebellion auslösen. Sie verhindern, dass die andere Person nachdenkt, reflektiert und lernt. Oder machen es zumindest sehr viel schwerer.

Diese Straßensperren führen in Gesprächen dazu, dass die Person mit dem Anliegen (in unserem Fall das Kind) zuerst die Straßensperre überwinden muss. Beispielsweise muss es erst überwinden, dass der Erwachsene seine Gefühle lächerlich macht und möglicherweise kann es danach nicht mehr weiterdenken. Oder Lob: Du bist ein kluges Kind! Dieser Satz kann dazu führen, dass ein Kind nicht versteht und auch nicht verstehen will, warum ihm eine Prüfung gut gelungen ist. Also hört die Selbstreflexion an dieser Stelle auf.

Komplimente im Alltag mit Kindern

Es könnte hilfreich sein, eine Komplimente-Liste griffbereit zu haben. Sie darf an einem sichtbaren Ort im Raum hängen (Kühlschrank, Gruppentür). Wenn Kinder etwas Positives erzählen oder beobachten, frage, ob sie es auf die Komplimente-Liste für den nächsten Kreis oder Familienrat schreiben oder zeichnen wollen. Junge Kinder können auch ihr Kompliment für andere diktieren.

Beim nächsten Mal lesen Kinder und Erwachsene die gesammelten Komplimente für die anderen vor.

Besonders, wenn ihr mit Wertschätzung und Anerkennung gerade beginnt, ist es wichtig, sich Notizen zu machen. Dein Gehirn muss erst die Wahrnehmung der positiven Aspekte üben. So kannst du ihm dabei helfen. Mit der Zeit fallen dir mehr Dinge auf und du wirst sie dir auch leichter merken.

Besonders, wenn ihr mit Wertschätzung und Anerkennung gerade beginnt, ist es wichtig, sich Notizen zu machen

Tools der positiven Disziplin, die dir dabei helfen

Dankbarkeit ist die kleine Schwester der Liebe – sagt Vera F. Birkenbihl. Indem wir Dankbarkeit praktizieren, beruhigen und stabilisieren wir unser Nervensystem. Wir beginnen, die positiven Aspekte des Lebens deutlicher wahrzunehmen.

Dankbarkeit darf einen festen Platz im Tagesablauf haben. In Familien kann es ein schönes Ritual sein, wenn ihr nach dem gemeinsamen Abendessen oder vor dem Schlafengehen ein oder zwei Dinge nennt, für die ihr dankbar seid. In Kitagruppen und Klassen könnte die Dankbarkeit im Kinderkreis ihren Platz finden. Probiere es mal für zwei Wochen aus und beobachte, was sich verändert.

Events, die dir dabei helfen, Komplimente und Wertschätzung im Alltag mit Kindern einzusetzen:

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Bleibe auf dem Laufenden!

Melde dich hier für meinen Newsletter an​

Durch deine Anmeldung akzeptierst du die Datenschutzbestimmungen

Verwandte Beiträge

Blog Posts

Zuhören

Wie kriegen wir Kinder dazu, zuzuhören? Gibt es dafür Tricks und Tools? Die gibt es...

Werte im Team

Werte im Team beeinflussen Zusammenarbeit, Kommunikation und psychologische Sicherheit. Warum gemeinsame Werte...

Translanguaging

Translanguaging hilft Fachkräften in Kitas, die vielen Sprachen eines Kindes als Kompetenz wahrzunehmen und die...

Vereinbarungen mit Kindern

Erwischst du dich öfter dabei, deine Kinder frustriert an Vereinbarungen zu erinnern? In diesem Artikel findest du...

Verlorene Geschwister

In diesem Artikel geht es um den stillen Schmerz vieler Familien: verlorene Geschwister, insbesondere Babys, über die...

Wutausbrüche

Warum Wutausbrüche bei Kleinkindern keine Trotzanfälle sind. Wie funktioniert Emotionsregulation mit Kleinkindern?...

Klingt gut?

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Noch ein Ratgeber? Nein danke.
Brauchst du Tools für konsequente Erziehung?
Konsequente Erziehung hilft dir, Konflikte, Machtkämpfe und Stress zu minimieren. Lerne Positive Disziplin kostenlos im Workshop kennen.
Mehrpsprachig aufwachsen: Ein Schatz fürs Leben
Wie Kinder von mehreren Sprachen profitieren und wie Eltern sie begleiten können.
Elternabend zu Mehrsprachigkeit in Berlin: Entwicklungspsychologie ganz praktisch, warum Mehrsprachigkeit für den Schulerfolg hilfreich ist, warum Mehrsprachigkeit dein Kind schlauer macht.
Erziehung ohne Strafen
Positive Disziplin an der VHS Reinickendorf in Berlin
Strafe und Belohnung wirken kurzfristig – aber sie trainieren Kinder auf externe Kontrolle. Positive Disziplin setzt auf etwas Nachhaltigeres: Kinder verhalten sich besser, wenn sie sich besser fühlen. Dieser Ansatz stärkt langfristig Beziehungsfähigkeit, Empathie, Kreativität und Konfliktlösekompetenz – ohne Angst, ohne Machtkämpfe.
Erziehung ohne Strafen
Positive Disziplin an der VHS Reinickendorf in Berlin
Strafe und Belohnung wirken kurzfristig – aber sie trainieren Kinder auf externe Kontrolle. Positive Disziplin setzt auf etwas Nachhaltigeres: Kinder verhalten sich besser, wenn sie sich besser fühlen. Dieser Ansatz stärkt langfristig Beziehungsfähigkeit, Empathie, Kreativität und Konfliktlösekompetenz – ohne Angst, ohne Machtkämpfe.
Erziehung ohne Strafen
Positive Disziplin an der VHS Reinickendorf in Berlin
Strafe und Belohnung wirken kurzfristig – aber sie trainieren Kinder auf externe Kontrolle. Positive Disziplin setzt auf etwas Nachhaltigeres: Kinder verhalten sich besser, wenn sie sich besser fühlen. Dieser Ansatz stärkt langfristig Beziehungsfähigkeit, Empathie, Kreativität und Konfliktlösekompetenz – ohne Angst, ohne Machtkämpfe.
Rumpelstilzchen als Untermieter?
Du kommst mit den Wutausbrüchen deines Kindes an deine Grenzen? Komm zum Elternabend.
Die Autonomiephase! Erfahre in diesem interaktiven Vortrag, was es mit dieser wichtigen Entwicklungsphase auf sich hat. Hier bekommst du grundlegende Infos und einfache Tools, die dir helfen, mit Wutausbrüchen liebevoll und konsequent umzugehen. Damit du dein Kind bestmöglich begleiten und ermutigen kannst!
Bildungsarbeit trotz Personalmangel
Workshop im Rahmen des Deutschen Kitaleitungskongress 2026
Bildungsarbeit ist Alltagshandeln: vom Anziehen über das Tischdecken bis hin zum Händewaschen. Bei meinem Workshop lernen die Teilnehmenden Strategien und Methoden kennen, um trotz Personalmangel qualitativ hochwertige Bildungsarbeit in der Kita zu gewährleisten.
Und hier geht es weiter...
Positive Disziplin: Vertiefung an der VHS Reinickendorf in Berlin
Gemeinsam arbeiten wir an konkreten Alltagssituationen, vertiefen das Verständnis für kindliche Entwicklung und erweitern dein persönliches Repertoire an beziehungsorientierten Strategien. So entsteht mehr Gelassenheit, Klarheit und echte Verbindung im Familienalltag – auch dann, wenn es herausfordernd wird.

Vereinbarungen mit Kindern

Vereinbarungen mit Kindern sind keine starren Regeln. Sie sind lebendige Prozesse, die wachsen, sich anpassen und manchmal auch scheitern. Ein Fallbeispiel aus meiner Beratung.

Vereinbarungen mit Kindern sind keine starren Regeln. Sie sind lebendige Prozesse, die wachsen, sich anpassen und manchmal auch scheitern. Genau dann zeigt sich, worum es wirklich geht: um Vertrauen, um Kompetenzen – und um die Frage, wie wir Kinder dabei begleiten, Verantwortung zu übernehmen.

In einer meiner Beratungs-Familien war genau das gerade ein heißes Thema: Was passiert, wenn Vereinbarungen nicht eingehalten werden – und welche Konsequenzen dann sinnvoll sind?

Eine neue Grenze tut sich auf

Im Alltag mit Kindern entstehen Vereinbarungen oft spontan – wenn eine Situation entsteht, die wir so noch nicht kannten. Kinder wachsen und lernen beständig dazu. Manchmal überraschen sie uns mit neuen Fähigkeiten, die wir noch gar nicht auf dem Schirm hatten.

So kam es, dass eine Mutter ihre Kinder im Garten wähnte, während sie in der Küche beschäftigt war. Nachdem es lange still geblieben war, ging sie nachsehen: Die Kinder waren verschwunden.

Die Stille ist ohrenbetäubend: Wenn die Kinder plötzlich weg sind.

Der Schreck ist groß. Beide Eltern schwingen sich auf die Fahrräder, um die Kinder zu suchen. Sie finden sie am Spielplatz, vertieft in ein gemeinsames Spiel in der Sandkiste. Sie hatten einen Ausflug gemacht.

Diese neue Selbständigkeit überraschte die Eltern – und vielleicht auch die Kinder selbst. Es musste also eine Vereinbarung her.

Ein Gespräch mit allen gemeinsam steckte einige Grundlagen fest: Wohin dürfen die Kinder alleine gehen? Wie sagen sie Bescheid? Was ist okay, was nicht?

Zwei Tage später

Die Babysitterin ist im Haus, beide Eltern sind arbeiten. Auch sie bemerkt die plötzliche Stille und findet den Garten leer. Auch diesmal hatten die Kinder einen Spaziergang interessanter gefunden als den Garten.

Jetzt stellt sich die Frage: Wie nun damit umgehen? Welche Konsequenzen sollen folgen, damit die Kinder die Kompetenzen „Selbständigkeit“ und „Verantwortlichkeit“ lernen? Damit sie langfristig ihre persönliche Macht sinnvoll einsetzen können?

Langfristig denken: Welche Lebenskompetenzen lernt das Kind?

Konsequenz oder Strafe – was ist der Unterschied?

Bevor wir weitergehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf den Unterschied zwischen Konsequenz und Strafe:

Strafe entsteht aus Willkür, Hilflosigkeit oder Macht. Sie soll wehtun, abschrecken, disziplinieren. Sie steht oft in keinem logischen Zusammenhang zur Situation und ist für Kinder schwer nachvollziehbar. Beispiel: „Du darfst heute nicht fernsehen, weil du nicht Bescheid gesagt hast.“

Konsequenz entsteht aus der Situation selbst. Sie ist logisch, vorhersehbar und steht im Verhältnis zum Geschehenen. Sie dient nicht der Bestrafung, sondern dem Lernen. Beispiel: „Weil du nicht Bescheid gesagt hast, ist das Vertrauen gerade erschüttert. Wir müssen gemeinsam üben, wie das in Zukunft besser klappt.“

Die Lösung: Vertrauen wieder aufbauen

Gemeinsam entwickelten die Eltern und ich folgenden Plan:

Alleine im Garten zu spielen ist ein Privileg – eines, das auf Vertrauen basiert. Den Kindern wurde nun erläutert, dass sie aufgrund des fehlenden Vertrauens vorerst nicht mehr allein im Garten sein dürfen. Ausflüge und Spaziergänge können nur noch mit erwachsenen Begleitpersonen stattfinden.

Von dort aus, und mit mehreren Gelegenheiten zum Üben, sollen sich die Kinder schrittweise herantasten: Erst wieder alleine im Garten spielen, dann kleine Ausflüge mit Ankündigung, später vielleicht auch spontane Unternehmungen.

Wichtig ist hier zu verstehen: Konsequenzen geschehen nicht aus Willkür oder Machtwillen der Erwachsenen. Eltern und Babysitterin haben die Fürsorge für die Kinder, wollen sie gesund erhalten und gleichzeitig Lebenskompetenzen vermitteln. Deshalb braucht es Interventionen, die Kindern genau diese Entfaltung ermöglichen – nicht aus Willkür, sondern aus Fürsorge.

Konsequenzen zeigen Kindern, welches Verhalten von ihnen erwartet wird. Sie sind in Vertrauen und Liebe begründet.

In diesem Fall weiß der ältere Bruder jetzt, dass er sich das Vertrauen wieder erarbeiten kann. Er kann zeigen, dass er sich an die Vereinbarungen halten kann und so schrittweise seine Freiheiten in Begleitung von Erwachsenen ausbauen.

Was macht eine gute Vereinbarung aus?

Vereinbarungen müssen immer wieder neu verhandelt werden. Sie wollen überprüft und angepasst werden. Dabei helfen ein paar Grundsätze:

  • Altersgerecht: Kann das Kind die Vereinbarung verstehen und umsetzen?
  • Gemeinsam entwickelt: Wurde das Kind einbezogen? Kennt es die Gründe?
  • Klar formuliert: Weiß jede Person, was genau gemeint ist?
  • Vorhersehbar: Weiß das Kind, was passiert, wenn die Vereinbarung nicht hält?
  • Im Verhältnis: Steht die Konsequenz in einem logischen Zusammenhang zur Situation?

Was Eltern mitnehmen können

  • Vereinbarungen sind keine Einbahnstraße. Sie entstehen im Dialog und müssen mit dem Kind wachsen.
  • Vertrauen ist die Währung. Wenn Vereinbarungen brechen, ist meist das Vertrauen erschüttert – und genau da muss angesetzt werden.
  • Konsequenzen sind Lernchancen. Sie dienen nicht der Bestrafung, sondern dem Aufbau von Kompetenzen.
  • Üben braucht Begleitung. Kinder lernen Verantwortung nicht durch Verbote, sondern durch begleitete Erfahrungen.
  • Geduld zahlt sich aus. Vertrauen aufzubauen dauert länger als es zu verlieren – aber es lohnt sich.

Wie immer gilt: es besteht kein Anspruch auf Perfektion.

Vereinbarungen mit Kindern sind kein starres Regelwerk. Sie sind ein lebendiger Prozess, der Vertrauen, Geduld und die Bereitschaft braucht, immer wieder neu hinzuschauen. Wenn Vereinbarungen brechen, ist das kein Scheitern – es ist eine Einladung, gemeinsam zu lernen.

Im Webshop findest du die Handreichung „Vereinbarungen statt Machtkämpfe“. Schau vorbei und hole dir konkrete Hinweise für deinen Familienalltag oder die Kita.

Events, die dir dabei helfen, gute Vereinbarungen mit Kindern zu treffen und Konsequenzen zu setzen:

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Bleibe auf dem Laufenden!

Melde dich hier für meinen Newsletter an​

Durch deine Anmeldung akzeptierst du die Datenschutzbestimmungen

Verwandte Beiträge

Blog Posts

Komplimente, Anerkennung, Wertschätzung​

Komplimente und Anerkennung helfen dir, die positiven Aspekte der Persönlichkeit des Kindes verstärkt...

Vereinbarungen mit Kindern

Erwischst du dich öfter dabei, deine Kinder frustriert an Vereinbarungen zu erinnern? In diesem Artikel findest du...

Wenn Kinder enttäuscht werden: Warum Annehmen lernen so wichtig ist

Wie gehen Kinder mit Enttäuschung um? Warum Traurigkeit der Schlüssel zum Annehmen ist und wie Erwachsene Kinder...

Klingt gut?

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Mehr als Active Nanny
Pädagogische Expertise für dich und deine Familie
Hole dir Elisabeths pädagogische Expertise direkt in euren Familienalltag! Kein Seminarraum, kein Ratgeber. Für Familien mit Kindern von 0 bis 8 Jahren in Berlin.
Kostenlose Schnupperworkshops
Positive Disziplin: 45 Minuten, die wirken!
Entdecke in 45 Minuten die Werkzeuge der positiven Disziplin – straffrei, liebevoll und konsequent.
Lösungen für deine Erziehungsfragen.
Individuelle Beratung für gelassene Erziehung
Verstehe Konflikte, finde klare Wege und erziehe mit mehr Vertrauen – in persönlicher oder Online-Beratung. Lerne die Tools der positiven Disziplin für mehr Gelassenheit im Alltag mit Kindern. Lass dich von mir dabei begleiten und ermutigen.
Suchst du nach straffreien Methoden, deine Kinder zu begleiten?
Für weniger Frust und mehr Leichtigkeit.
Brauchst du Werkzeuge, die dir helfen, konsequent und liebevoll mit deinen Kindern umzugehen? Suchst du nach mehr Leichtigkeit im Alltag mit Kindern? Probier das aus.

Werte im Team

Werte im Team beeinflussen Zusammenarbeit, Kommunikation und psychologische Sicherheit. Warum gemeinsame Werte entscheidend für eine tragfähige Teamkultur sind – und wie sie im Alltag wirken.

Werte im Team – warum sie die Zusammenarbeit prägen

Werte begegnen uns oft in Leitbildern, Konzeptionen oder auf Flipcharts aus Teamtagen. Begriffe wie Respekt, Offenheit oder Wertschätzung sind schnell gefunden. Und trotzdem erleben viele Teams im Alltag Spannungen, Missverständnisse oder das Gefühl, aneinander vorbeizuarbeiten. Der Grund dafür liegt selten in mangelnder Fachlichkeit sondern häufig in ungeklärten oder unterschiedlich verstandenen Werten im Team.

Werte wirken sich immer aus. Auch wenn sie nie bearbeitet wurden.

Was Werte im Team eigentlich sind

Werte sind keine Regeln und keine Ziele. Werte sollten auch keinesfalls leere Worte in Leitbildern oder Wortwolken bleiben.
Sie sind innere Orientierung, die unser Handeln leiten. Im Team beeinflussen sie,

  • wie wir miteinander sprechen,
  • wie wir Entscheidungen treffen,
  • wie wir Prozesse gestalten,
  • wie wir mit Akteuren umgehen (Kinder, Eltern, Sozialraum),
  • wie wir mit Fehlern, Stress und Unterschiedlichkeit umgehen.

Werte wirken sich immer aus. Auch dann, wenn sie nie benannt wurden. Deshalb kann ich die Arbeit mit Werten dir und deinem Team wirklich empfehlen.

Hier findest du ein Fallbeispiel aus einer sozialpädagogischen Einrichtung, in der ich mit dem Team Werte erarbeiten und entwickeln durfte.

Auch bei scheinbar einfachen Begriffen wie „Gesundheit“ steckt so viel dahinter.

Wenn Werte nicht geklärt sind, entstehen Reibungen

In vielen Teams werden Erwartungen stillschweigend vorausgesetzt:
„So macht man das doch.“ Oder: „Das gehört sich einfach.“ Auch bei scheinbar einfachen Begriffen wie „Gesundheit“ steckt so viel dahinter. Ungeklärt können hier Konflikte entstehen:

„Gesundheit bedeutet, dass wir uns rechtzeitig krankmelden, um andere nicht anzustecken.“

„Gesundheit bedeutet, dass man sich nicht wegen jedem Schnupfen krankmeldet, damit man die Kolleg: innen nicht überlastet.“

„Gesundheit erkennen wir daran, dass wir für Kinder gesunde Mahlzeiten sicherstellen.“

Wenn unterschiedliche Wertvorstellungen aufeinandertreffen, entstehen Spannungen. Was für die eine Person Ausdruck von Verantwortungsbewusstsein ist, fühlt sich für eine andere nach Kontrolle an. Was die eine als offene Kommunikation versteht, erlebt eine andere als Grenzüberschreitung.

Ungeklärte Werte im Team führen dazu, dass Konflikte auf der Beziehungsebene ausgetragen werden. Jede Person füllt die Worte mit eigenen Vorstellungen und geht davon aus, sie wäre jetzt im Recht. Deswegen müsst ihr in der Arbeit mit Werten so konkret wie möglich werden:

„Gesundheit ist ein Wert für uns, weil wir bewusst für gutes Arbeitsklima sorgen. Das tun wir mit regelmäßigen Kleinteams, Mitarbeitergesprächen und strengen Pausenregelungen.“

Wertearbeit im Team ist kein Einmal-Projekt

Werte lassen sich nicht verordnen und nicht „festlegen“. Wirksame Wertearbeit im Team bedeutet nicht, sich auf wohlklingende Begriffe zu einigen, sondern gemeinsam zu erforschen:

  • Was bedeutet dieser Wert für jede einzelne Person?
  • Woran wird er im Alltag konkret sichtbar?
  • Wo wird er herausgefordert?

Ein Wert wie „Respekt“ kann im selben Team sehr unterschiedlich gelebt werden. Genau hier beginnt echte Werteklärung im Team – nicht bei der Einigung auf Worte, sondern beim Austausch über Erfahrungen. 

Ich empfehle daher gerne, regelmäßig einen Werte-Check-in zu machen. Mithilfe von Arbeitsblättern kann jede Mitarbeiterin für sich Werte definieren und festhalten, wie sie diese im Arbeitsalltag sichtbar werden lässt.

Was Werte im Team ermöglichen

Psychologische Sicherheit

Psychologische Sicherheit im Team beschreibt das Gefühl, offen sprechen zu können, ohne Angst vor Abwertung, Bloßstellung oder negativen Konsequenzen. Teams mit hoher psychologischer Sicherheit stellen Fragen, sprechen Unsicherheiten an, machen Fehler sichtbar und lernen gemeinsam. Wenn Mitarbeitende sich im Team sicher fühlen, können sie zur Höchstform auflaufen. Euer Team wird zum Power-Team wenn ihr zusammen aus Fehlern lernt und Konflikte klärt.

Gemeinsame Werte bilden dafür eine zentrale Grundlage. Sie geben Orientierung dafür, wie im Team miteinander umgegangen wird – besonders in belastenden oder konflikthaften Situationen. Wenn Werte nicht nur benannt, sondern regelmäßig reflektiert werden, entsteht Verlässlichkeit. Teammitglieder wissen, woran sie sind und was von ihnen erwartet wird.

Effizienz

Wenn Konflikte geklärt werden, bevor sie zu viel Energie ziehen, arbeitet ihr effizienter zusammen. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass du eine Kollegin kurzfristig um Hilfe bittest. Wenn zwischen euch ein ungeklärter Konflikt schwelt, fällt dir dieser Schritt viel schwerer. Projekte werden gemeinsam angegangen und auch abgeschlossen.

Wenn du weißt, was von dir erwartet wird, kannst du auch danach handeln. Du bist nicht damit beschäftigt, herauszufinden, wie du einen Auftrag ausführen sollst. Weniger Ablenkung durch emotionalen Stress bedeutet effizienter arbeiten können.

Fehlerkultur

Eure Werte definieren, wie ihr mit Fehlern umgeht. Wird darüber offen gesprochen, weil zum Beispiel ein Wert lautet: „Offenheit und Neugier“? Ist es möglich, neugierig zu erforschen, wie es beim nächsten Mal besser klappen könnte? Fällt es leicht, Verantwortung zu übernehmen, weil dies ein geteilter Wert ist?

Feedbackkultur

Feedbacks sind in Teams das Öl im Getriebe. Kurze, respektvolle und konstruktive Feedbacks helfen euch, Konflikte zu verhindern. Ihr übt miteinander, das auszusprechen, was gut war und was nicht. Gemeinsame Werte im Team geben dir die Sicherheit, Feedback zu empfangen und auch zu geben.

Erste Schritte zur Werteklärung im Team

Wertearbeit muss nicht kompliziert sein. Oft reichen gezielte Reflexionsimpulse, um Gespräche zu öffnen:

  • Welche Verhaltensweisen im Team geben mir Sicherheit?
  • Wann erlebe ich Zusammenarbeit als stimmig?
  • Welche Situationen kosten mich besonders viel Energie – und warum?
  • Welche Werte sind mir im Arbeitsalltag besonders wichtig?

Solche Fragen schaffen Raum für unterschiedliche Perspektiven, ohne zu bewerten oder zu belehren.

Wer sich auf Translanguaging einlässt, fördert nicht nur die Sprachkompetenz, sondern auch Selbstbewusstsein, Identität und Motivation der Kinder. Es ist eine Chance, den Alltag in Kita und Schule ressourcenorientiert, wertschätzend und kreativ zu gestalten.

Fazit: Werte im Team brauchen Alltag, keine Plakate

Teams brauchen keine perfekten Werte, sondern geteilte Orientierung. Wenn Werte im Team ausgesprochen, reflektiert und im Alltag überprüft werden dürfen, entsteht eine tragfähige Teamkultur. Das stärkt psychologische Sicherheit, reduziert Konflikte und ermöglicht wirksame Zusammenarbeit.

Werte im Team sind kein Luxus,  sie sind die Basis dafür, wie Arbeit miteinander gelingt.

Möchtest du gemeinsame Werte in eurem Team erarbeiten? Ich begleite euch strukturiert und zielführend.

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Bleibe auf dem Laufenden!

Melde dich hier für meinen Newsletter an​

Durch deine Anmeldung akzeptierst du die Datenschutzbestimmungen

Verwandte Beiträge

Blog Posts

Translanguaging

Translanguaging hilft Fachkräften in Kitas, die vielen Sprachen eines Kindes als Kompetenz wahrzunehmen und die...

Impulsives Verhalten in der Kita

Immer häufiger melden sich Kita-Teams bei mir, die sich im Alltag durch impulsives Verhalten von Kindern stark...

Tabelle der irrtümlichen Nahziele

Disziplin für Kinder und Regeln sind in vielen Familien und Kindergruppen ein Dauerthema. Aber du wünschst dir eine...

Bildungsarbeit sichtbar machen.

Die kontinuierliche fachgerechte und elterngerechte Beschreibung deiner Bildungsarbeit verbessert nicht nur dein...

Fallbeispiel: Konflikt im Team

In diesem Team wurde aus einem festgefahrenen Vorwurf eine klare Vereinbarung zur Hol- und Bringschuld. Der Schlüssel:...

Fallbeispiel: Werte im sozialpädagogischen Team

Fallbeispiel sozialpädagogische Einrichtung: Wenn Werte im Team ausgesprochen, reflektiert und im Alltag überprüft...

Klingt gut?

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Webinar für Eltern und Fachkräfte: Digitale Welt und Kinder
Wie du Kinder in der digitalen Welt anleiten und begleiten kannst.
Kostenloses Webinar zu Kinderschutz in der digitalen Welt: Cybergrooming, Deepfakes, Chatbots und Bildschirmzeit. Verstehe, welche Gefahren im Internet lauern und wie du Kinder effektiv begleiten und anleiten kannst. Wissen und Strategien für Fachkräfte und Eltern von Kindern zwischen 2 und 17 Jahren.
Weniger Konflikte. Mehr Beziehung.
Wie der Familienrat/ Gruppenrat funktionieren kann.
Familienrat ist das beste Tool, um regelmäßig Beziehung zu pflegen, Vereinbarungen zu treffen und Konflikte zu reduzieren. Wie du ihn einführen kannst oder verbesserst, was schon läuft, erfährst du in diesem kostenlosen Webinar.
Bildungsarbeit trotz Personalmangel
Workshop im Rahmen des Deutschen Kitaleitungskongress 2026
Bildungsarbeit ist Alltagshandeln: vom Anziehen über das Tischdecken bis hin zum Händewaschen. Bei meinem Workshop lernen die Teilnehmenden Strategien und Methoden kennen, um trotz Personalmangel qualitativ hochwertige Bildungsarbeit in der Kita zu gewährleisten.

Translanguaging

Mehrsprachigkeit ist in den meisten Kitas längst Alltag. Translanguaging ist mehr als Zweitspracherwerb: Kinder nutzen ihre gesamte Sprachpalette, um sich auszudrücken, Probleme zu lösen und Beziehungen zu gestalten.

Translanguaging – mehr als bloße Sprachmischung

Mehrsprachigkeit ist in vielen Kitas längst Alltag. Kinder bringen nicht nur Deutsch, sondern auch Familiensprachen wie Polnisch, Russisch, Ukrainisch, Türkisch oder Kroatisch mit. Oft mischen sie diese Sprachen im Spiel, beim Erzählen oder in Alltagssituationen – ein Phänomen, das in der Fachliteratur als Translanguaging bezeichnet wird. Anders als beim klassischen Zweitspracherwerb geht es hier nicht darum, die Sprachen getrennt zu betrachten, sondern die gesamte sprachliche Kompetenz der Kinder als Ressource zu sehen.

Translanguaging beschreibt die flexible, situationsabhängige Nutzung aller sprachlichen Ressourcen. Kinder nutzen ihre gesamte Sprachpalette, um sich auszudrücken, Probleme zu lösen und Beziehungen zu gestalten. Die Forschung zeigt, dass dieses integrierte Sprachhandeln keine Schwäche, sondern eine kompetente Strategie ist. Es fördert das Sprachverständnis, unterstützt den Erwerb von Deutsch als Zweitsprache und stärkt gleichzeitig die Identität und das Selbstbewusstsein der Kinder.

Warum ist Translanguaging für die Kita wichtig?

In der Kita können Fachkräfte Translanguaging gezielt unterstützen, um die Sprachentwicklung zu fördern. Kinder, die mehrere Sprachen sprechen, lernen so, Wörter und Strukturen flexibel zu nutzen. Das hat mehrere Vorteile:

  • Sprachkompetenz erweitern: Kinder verknüpfen Inhalte aus unterschiedlichen Sprachen, lernen Bedeutungen zu übertragen und ihr Ausdrucksvermögen wird erweitert.
  • Selbstbewusstsein stärken: Kinder erfahren, dass ihre Familiensprachen wertvoll sind, was Identität und Zugehörigkeit stärkt.
  • Inklusive Sprachumgebung schaffen: Alle Kinder profitieren von einem Umfeld, in dem Mehrsprachigkeit sichtbar und positiv genutzt wird.

Translanguaging beschreibt die flexible, situationsabhängige Nutzung aller sprachlichen Ressourcen.

Fachkräfte unterstützen Translanguaging – ohne Angst vor Sprachmischung

Fragen und Reflexionen begleiten Kinder darin, ihre eigenen Denkprozesse zu durchlaufen.

Viele Fachkräfte fragen sich, ob das Mischen von Sprachen problematisch ist oder das Erlernen von Deutsch verzögern könnte. Die Forschung zeigt klar: Sprachmischung ist ein Zeichen von Kompetenz, nicht von Defizit. Kinder, die Wörter aus mehreren Sprachen kombinieren, zeigen, dass sie Inhalte verstehen, Bedeutungen übertragen können und aktiv ihre Ausdrucksmöglichkeiten erweitern.

Praxisnahe Tipps für den Kita-Alltag

Damit Translanguaging gut funktioniert, können Fachkräfte gezielt unterstützen:

Alltagsaktivitäten in der Kita nutzen:

Beim gemeinsamen Spielen, Basteln oder beim Aufräumen können Kinder ihre Sprachen frei einsetzen. Fachkräfte kommentieren und erweitern die Beiträge, ohne die Mischung zu unterbrechen. So wird Sprache lebendig und sinnvoll angewendet.

Handlungsbegleitendes Sprechen:


Fachkräfte beschreiben, kommentieren und unterstützen das Tun der Kinder. Beispiel: Beim Bausteine-Bauen sagt ein Kind: „Ich setze den roten Stein hier – czerwona, hier“. Die Fachkraft greift die Wörter auf, erweitert und fragt nach, sodass Bedeutungen zwischen Sprachen verknüpft werden.

Sprache in der Kita sichtbar machen:

Wortlisten, Bilder oder kleine Schilder in mehreren Sprachen helfen Kindern, die Brücke zwischen Familiensprachen und Deutsch zu schlagen. So entsteht ein inklusives Sprachumfeld, das Wertschätzung für alle Sprachen zeigt.

Mut zur Sprachmischung:

Es ist normal, dass Kinder Wörter aus verschiedenen Sprachen kombinieren. Diese Fähigkeit zeigt, dass sie aktiv lernen, Bedeutungen übertragen und sprachliche Strukturen verstehen. Fachkräfte unterstützen diese Kompetenz, indem sie die Kinder begleiten und motivieren.

Für mehr Ressourcen zum Thema Mehrsprachigkeit in der Kita empfehle ich die Veranstaltungen des Vereins frühe Mehrsprachigkeit in der Kita, die ich hier verlinke.

Translanguaging ist eine wissenschaftlich fundierte Methode, um alle Sprachen der Kinder als Ressource zu nutzen. Kinder lernen nicht trotz, sondern durch das Mischen von Sprachen. Fachkräfte können dies im Alltag unterstützen, indem sie Familiensprachen einbeziehen, handlungsbegleitend sprechen und ein inklusives Sprachumfeld schaffen.

Wer sich auf Translanguaging einlässt, fördert nicht nur die Sprachkompetenz, sondern auch Selbstbewusstsein, Identität und Motivation der Kinder. Es ist eine Chance, den Alltag in Kita und Schule ressourcenorientiert, wertschätzend und kreativ zu gestalten.

Möchtest du einen Workshop zum Thema Mehrsprachigkeit oder Translanguaging für dein Team in Kita oder Schule?

Kommende Events:

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Bleibe auf dem Laufenden!

Melde dich hier für meinen Newsletter an​

Durch deine Anmeldung akzeptierst du die Datenschutzbestimmungen

Verwandte Beiträge

Blog Posts

Werte im Team

Werte im Team beeinflussen Zusammenarbeit, Kommunikation und psychologische Sicherheit. Warum gemeinsame Werte...

Impulsives Verhalten in der Kita

Immer häufiger melden sich Kita-Teams bei mir, die sich im Alltag durch impulsives Verhalten von Kindern stark...

Tabelle der irrtümlichen Nahziele

Disziplin für Kinder und Regeln sind in vielen Familien und Kindergruppen ein Dauerthema. Aber du wünschst dir eine...

Bildungsarbeit sichtbar machen.

Die kontinuierliche fachgerechte und elterngerechte Beschreibung deiner Bildungsarbeit verbessert nicht nur dein...

Fallbeispiel: Konflikt im Team

In diesem Team wurde aus einem festgefahrenen Vorwurf eine klare Vereinbarung zur Hol- und Bringschuld. Der Schlüssel:...

Fallbeispiel: Werte im sozialpädagogischen Team

Fallbeispiel sozialpädagogische Einrichtung: Wenn Werte im Team ausgesprochen, reflektiert und im Alltag überprüft...

Klingt gut?

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Webinar für Eltern und Fachkräfte: Digitale Welt und Kinder
Wie du Kinder in der digitalen Welt anleiten und begleiten kannst.
Kostenloses Webinar zu Kinderschutz in der digitalen Welt: Cybergrooming, Deepfakes, Chatbots und Bildschirmzeit. Verstehe, welche Gefahren im Internet lauern und wie du Kinder effektiv begleiten und anleiten kannst. Wissen und Strategien für Fachkräfte und Eltern von Kindern zwischen 2 und 17 Jahren.
Weniger Konflikte. Mehr Beziehung.
Wie der Familienrat/ Gruppenrat funktionieren kann.
Familienrat ist das beste Tool, um regelmäßig Beziehung zu pflegen, Vereinbarungen zu treffen und Konflikte zu reduzieren. Wie du ihn einführen kannst oder verbesserst, was schon läuft, erfährst du in diesem kostenlosen Webinar.
Bildungsarbeit trotz Personalmangel
Workshop im Rahmen des Deutschen Kitaleitungskongress 2026
Bildungsarbeit ist Alltagshandeln: vom Anziehen über das Tischdecken bis hin zum Händewaschen. Bei meinem Workshop lernen die Teilnehmenden Strategien und Methoden kennen, um trotz Personalmangel qualitativ hochwertige Bildungsarbeit in der Kita zu gewährleisten.

Impulsives Verhalten

Immer häufiger melden sich Kita-Teams bei mir, die sich im Alltag durch impulsives Verhalten von Kindern stark herausgefordert fühlen. Kinder, von denen erwartet wird, dass sie „das eigentlich schon können“, werfen mit Gegenständen, schlagen andere oder bringen den Tagesablauf immer wieder durcheinander.

Impulsives Verhalten bei Kindern verstehen und professionell begleiten

Impulsives Verhalten bei Kindern beschäftigt viele pädagogische Fachkräfte und Eltern gleichermaßen. In der Kita erleben Teams Situationen, in denen Kinder schlagen, Dinge werfen, laut werden oder scheinbar ohne Vorwarnung handeln. Derzeit fragen sich viele Fachkräfte in der Kita: nimmt dieses Verhalten zu?

In diesem Artikel möchte ich einige Antworten geben auf die Fragen:

Was ist eigentlich normales Verhalten?

Wie erklärt sich der Eindruck, impulsives Verhalten würde zunehmen? Und ist objektiv was dran?

Wie können Erwachsene Kinder dabei unterstützen, ihre Impulse Schritt für Schritt besser zu regulieren?

Dieser Artikel beleuchtet, was Impulsivität bei Kindern bedeutet, wie sie sich im Alltag zeigt und wie Fachkräfte aus Sicht der Positiven Disziplin handlungsfähig bleiben können.

Erstmal Praxis: Impulsivität in der Kita begleiten

Du bist sicher auf diesen Artikel gestoßen, weil du für deinen Alltag Hilfe suchst. Also zuerst die Praxis, dann die Theorie.

Impulsives Verhalten beziehungsorientiert begleiten

Die Positive Disziplin geht davon aus, dass Kinder sich kooperativ verhalten, wenn sie sich zugehörig, sicher und verstanden fühlen. Ziel ist es nicht, impulsives Verhalten zu unterdrücken, sondern Kinder dabei zu unterstützen, langfristig Selbstregulation zu entwickeln.

Zentral ist dabei der Gedanke der Co-Regulation: Erwachsene übernehmen zunächst die Steuerung, die Kinder noch nicht leisten können.

Gefühle spiegeln

Kinder brauchen Erwachsene, die ihre Gefühle spiegeln, ohne zu bewerten:

„Du bist gerade sehr wütend, stimmt’s?“

Studien zur Emotionsentwicklung zeigen, dass das Benennen von Gefühlen Kinder dabei unterstützt, innere Zustände allmählich zu ordnen. Erst wenn ein Kind sich verstanden fühlt, kann es lernen, alternative Handlungsstrategien zu entwickeln.

Über Emotionen und Gefühle reden

Emotionen zu erkennen und zu unterscheiden ist ein wichtiger Faktor für Selbstregulation. Indem ihr immer wieder Emotionen thematisiert, Bücher dazu anbietet und mit Bildern arbeitet, helft ihr Kindern dabei, sie zu entwickeln.

Möchtest du eine Liste von Bedürfnissen, Empfindungen und Gefühlen für deine Arbeit? Dann schau hier in meinem Shop vorbei!

Körperliche Empfindungen

Sprecht auch über körperliche Empfindungen. So zum Beispiel:

„Wenn ich wütend bin, dann spüre ich die Wut wie ein feuriges Kribbeln hier (Hand auf den Bauch legen), im Bauch. Wie fühlt sich die Wut bei dir an?“

So lernen Kinder, körperliche Empfindungen zu deuten und sich zu regulieren, bevor sie explodieren und überfordert sind.

Gefühle kennen lernen und erkennen lernen

Die Gefühle anderer Kinder müssen auch immer wieder übersetzt werden. „Schau, die Selma weint jetzt. Sie ist vermutlich traurig, dass sie das Auto nicht mehr haben darf.“

Freundlich und bestimmt Grenzen setzen

Positive Disziplin bedeutet nicht, alles zu erlauben. Grenzen geben Orientierung und Sicherheit:

„Ich lasse nicht zu, dass du schlägst. Ich bin bei dir und helfe dir.“

Wichtig ist, Grenzen ruhig, klar und ohne Beschämung zu setzen. Kinder lernen dadurch, dass ihre Gefühle erlaubt sind – ihr Verhalten jedoch begleitet und begrenzt wird.

Prävention von impulsivem Verhalten in der Kita

Viele impulsive Situationen lassen sich durch gute Rahmenbedingungen entschärfen:

  • klare Tagesstrukturen
  • vorbereitete Übergänge
  • ausreichend Bewegung
  • verlässliche Beziehungen
  • Tagesstruktur, in der Kita die Selbstregulation (also Rückzug oder Bewegung) zulässt

In meiner Arbeit zeigt sich immer wieder: Je sicherer sich Kinder fühlen, desto weniger müssen sie ihre Impulse „nach außen entladen“.

Wenn ihr in eurer Kita eure Tagesstruktur oder Raumgestaltung abklopfen möchtet, um Kinder in ihrer Selbstregulation zu begleiten, komme ich gerne für einen Workshop zu euch. Finde alle Angebote für Teams hier.

Was bedeutet Impulsivität bei Kindern?

Impulsivität beschreibt die Tendenz, schnell, ungefiltert und ohne bewusste Steuerung zu handeln. Kinder reagieren unmittelbar auf innere Impulse – Gefühle, Bedürfnisse oder Reize aus der Umgebung, ohne diese bremsen oder reflektieren zu können.

Impulsives und disruptives Verhalten, dass als Störung bezeichnet werden könnte, nennt man im DSM-5 affektive Dysregulationsstörung. Hierbei gelten feste Kriterien, wie etwa dass das Verhalten mehrmals in der Woche über einen längeren Zeitraum auftreten muss. Diese Diagnose wird erst ab dem 6. Lebensjahr gestellt. (Oberberg Kliniken, kein Datum)

In der positiven Disziplin gibt es einige Tools dafür, wie Vereinbarungen getroffen werden können. Beginne bei diesen vier Schritten zur Abmachung von Vereinbarungen mit Kindern:

Wie sich Impulskontrolle entwickelt

Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist Impulsivität kein Fehlverhalten, sondern ein normaler Bestandteil früher Entwicklung. Die Fähigkeit zur Impulskontrolle hängt eng mit der Reifung des Gehirns zusammen, insbesondere mit dem präfrontalen Kortex, der für Planung, Selbststeuerung und Emotionsregulation zuständig ist. Dieser Bereich entwickelt sich über viele Jahre hinweg und ist im Krippen- und frühen Kindergartenalter noch nicht ausgereift.

Viele impulsive Situationen lassen sich durch gute Rahmenbedingungen entschärfen.

Die ersten Kompetenzen zur emotionalen Regulation erlangen Kinder mit 2 Jahren. Davor regulieren sie sich mithilfe von Bezugspersonen – Co-Regulation – oder mit Hilfe von Reizen wie dem Daumenlutschen oder dem Abwenden des Blicks. (Eisenberg, 2010)

Studien zur Selbstregulation zeigen, dass impulsives Verhalten im Vorschulalter stark variiert und unterschiedliche Entwicklungsverläufe haben kann. Ein Teil der Kinder zeigt vorübergehend ausgeprägte Impulsivität, die sich mit zunehmender Reife deutlich reduziert. Bei einer kleineren Gruppe bleiben impulsive Verhaltensmuster stabiler bestehen, was jedoch nicht automatisch auf eine Störung hinweist. (Eisenberg, 2010)

Was meinen wir, wenn wir von impulsivem Verhalten in der Kita sprechen?

Meistens sprechen Fachkräfte von impulsivem Verhalten, wenn ein Kind häufiger als die meisten anderen Kinder schlägt, anderen etwas wegnimmt, Spiele stört, dazwischen redet oder Streit sucht.

Solche sogenannten externalisierenden Verhaltensweisen wie Wutanfälle, häufiges Streiten oder Schwindeln lassen sich mit Einflussfaktoren wie Haushaltseinkommen, Familienform und Bildungshintergrund verbinden. (Nagy, 2019)

Hauen, streiten, Dinge werfen: Externalisierende Verhaltensweisen

Ob ein Kind stark verhaltensauffällig wird und externalisierende Verhaltensweisen zeigt, hängt also von Stresseffekten (Armut zum Beispiel) und von Erziehungseffekten (inkonsistentes Erziehungsverhalten zum Beispiel) ab.

Wichtig ist daher die Unterscheidung zwischen entwicklungsangemessener Impulsivität und Verhalten, das auf Überforderung, Stress oder fehlende Unterstützung hinweist.

Wie zeigt sich impulsives Verhalten im Kita-Alltag?

Impulsives Verhalten kann sehr unterschiedlich aussehen. Typische Beispiele aus der Kita sind:

Beispiel 1: Der zweijährige Mehmet reißt einem anderen Kind ein Spielzeug aus der Hand und schlägt zu, als dieses protestiert. Die Handlung geschieht schnell, ohne sichtbare Absicht zu verletzen – das Kind reagiert auf Frust und das unmittelbare Bedürfnis nach dem Spielzeug.

Beispiel 2: Die fünfjährige Martha läuft im Morgenkreis plötzlich los, ruft laut dazwischen oder wirft Materialien um. Es fällt dem Kind schwer, abzuwarten oder die eigene Bewegung zu bremsen, besonders in Übergangssituationen.

Wissen über Entwicklungspsychologie hilft dir, das Verhalten des Kindes besser einzuordnen.

Im ersten Beispiel können wir schon alleine aufgrund des Alters des Jungen vermuten, dass es sich um entwicklungsbedingte Impulsivität handelt. Wie du Kinder in ihrer Entwicklung der Selbstregulation unterstützen kannst, findest du weiter oben und hier im Video.

Im zweiten Beispiel schaut es schon komplexer aus. Hier fällt mir auf, dass Martha nicht nur den Morgenkreis verlassen möchte. Vielleicht ist sie gelangweilt oder müde: Dann wäre es gesunde Selbstregulation, sich zurückzuziehen. Aber sie stört auch die anderen dabei, teilzunehmen. Und sie zeigt aggressives Verhalten. Wenn Martha öfter und mehrmals in der Woche in dieser Art verhält, dann macht es Sinn, genauer hinzuschauen. Vielleicht hilft euch im Team auch eine Fallbesprechung, um ermutigende Strategien für Martha zu finden.

Nimmt impulsives Verhalten bei Kindern zu?

Viele Fachkräfte berichten subjektiv von einer Zunahme impulsiven Verhaltens in der Kita. Es gibt bislang keine eindeutigen Belege, dass impulsives Verhalten bei jungen Kindern in der Gesamtbevölkerung deutlich zugenommen hat.

Was sich jedoch verändert hat, sind die Rahmenbedingungen, unter denen Kinder aufwachsen:

  • höhere Alltagsdichte und weniger Erholungsräume
  • weniger Bewegung im Alltag
  • größere Gruppen und weniger Rückzugsmöglichkeiten
  • veränderte familiäre Belastungen
  • social media Konsum im frühen Alter
  • zu häufige Bildschirmzeiten

Studien zur kindlichen Selbstregulation weisen darauf hin, dass Stress, Unsicherheit und fehlende Co-Regulation impulsives Verhalten verstärken können. Gleichzeitig hat sich auch der professionelle Blick geschärft: Verhaltensweisen werden heute bewusster wahrgenommen und reflektiert als noch vor einigen Jahren.

Besonders Social Media Konsum von Kindern wird in Studien mehr und mehr mit impulsivem Verhalten in Verbindung gebracht. Bisher geschieht das im Kontext von ADHS. In einer Studie mit 10 – 14jährigen wurde ein Zusammenhang zwischen ADHS-ähnlichen Symptomen und Social Media Konsum gefunden. (The Guardian, 2025) Es ist noch unklar, was Social Media Konsum mit jüngeren Gehirnen anstellt. Eine umfangreiche Diskussion zum Thema soziale Medien und Kinder findest du hier: (Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften, 2025)

Klar ist jedoch, dass die Bildschirmzeit in jungen Jahren streng reglementiert werden muss, damit Kinder ausreichend Zeit für Bewegung und die Ausreifung von Exekutivfunktionen haben.

So können wir zusammenarbeiten:

Kostenlose Schnupperworkshops
Positive Disziplin: 45 Minuten, die wirken!
Entdecke in 45 Minuten die Werkzeuge der positiven Disziplin – straffrei, liebevoll und konsequent.
Diskussionsparty live
Strukturiert, praxisnah und nachhaltig
120 Minuten für euer pädagogisches Thema, kurzer Input und eure Fragen.
Teamfortbildung
Ermutigend, praxisnah und voller Spaß
Umgang mit Beschwerden, Bildung im Alltag, Schutzkonzept, Eingewöhnung, Erziehungspartnerschaft. Euer Thema in eurem Wunschformat.
Elternabend
1,5 Stunden für eure Elternschaft
Externe Expertise für Konfliktlösung, bessere Kommunikation und fachliche Autorität im Elternabend.
Fallberatung
Lösungen für herausforderndes Verhalten
90 Minuten für dein Team und eure Herausforderung. Kostenloser follow-up-Call nach 2 Wochen.

Quellen zum Thema impulsives Verhalten bei Kindern

Eisenberg, N. S. (2010). • Eisenberg, N., Spinrad, T. L., & Eggum, N. D. (2010). Emotion-related self-regulation and its relation to children’s maladjustment. Annual Review of Clinical Psychology, 6, 495–525. Annual Review of Clinical Psychology, 6, S. 495–525.

Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften. (2025). Soziale Medien und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Halle (Saale).

Leopoldina. Nationale Akademie der Wissenschaften. (2024). Förderung der Selbstregulationskompetenzen von Kindern und Jugendlichen in Kindertageseinrichtungen und Schulen. Stellungnahme. Halle (Saale). Von https://www.leopoldina.org/fileadmin/Daten/Publikationen/Dokumente/2024_Stellungnahme_Selbstregulation.pdf abgerufen am 26.01.2026

Nagy, T. (2019). Auffälligkeiten im Kindesalter. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.

Oberberg Kliniken. (kein Datum). oberbergkliniken.de. Von https://www.oberbergkliniken.de/symptome/affektive-dysregulation-im-kindes-und-jugendalter abgerufen am 26.01.2026

The Guardian. (12 2025). theguardian.com. Von https://www.theguardian.com/technology/2025/dec/08/social-media-damages-childrens-ability-to-focus?utm_source=chatgpt.com abgerufen am 26.01.2026

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Bleibe auf dem Laufenden!

Melde dich hier für meinen Newsletter an​

Durch deine Anmeldung akzeptierst du die Datenschutzbestimmungen

Verwandte Beiträge

Blog Posts

Zuhören

Wie kriegen wir Kinder dazu, zuzuhören? Gibt es dafür Tricks und Tools? Die gibt es...

Komplimente, Anerkennung, Wertschätzung​

Komplimente und Anerkennung helfen dir, die positiven Aspekte der Persönlichkeit des Kindes verstärkt...

Vereinbarungen

Vereinbarungen sind keine starren Regeln, sondern lebendige Prozesse. Wenn Kinder sie nicht einhalten, geht es nicht um...

Werte im Team

Werte im Team beeinflussen Zusammenarbeit, Kommunikation und psychologische Sicherheit. Warum gemeinsame Werte...

Translanguaging

Translanguaging hilft Fachkräften in Kitas, die vielen Sprachen eines Kindes als Kompetenz wahrzunehmen und die...

Vereinbarungen mit Kindern

Erwischst du dich öfter dabei, deine Kinder frustriert an Vereinbarungen zu erinnern? In diesem Artikel findest du...

Klingt gut?

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Wir hatten doch vereinbart...

Erwischst du dich öfter dabei, deine Kinder frustriert an Vereinbarungen zu erinnern? In diesem Artikel findest du ein paar konkrete Tools, wie Vereinbarungen mit Kindern besser gelingen.

Vereinbarungen: eine wichtige Kompetenz.

Wir brauchen die Kompetenz, Vereinbarungen einzugehen und einzuhalten unser ganzes Leben lang. Beobachte einmal, wie oft am Tag du Vereinbarungen triffst, einhälst, vergisst oder dir wünschst. Nicht nur im persönlichen Leben spielen sie eine tragende Rolle. Sie haben mit Vertrauen und unserem friedlichen Zusammenleben zu tun. Also sind sie auch ein wichtiger Pfeiler einer demokratischen Gesellschaft.

Wie gut, wenn Kinder früh lernen und üben dürfen, Vereinbarungen zu treffen und sich daran zu halten!

Vereinbarungen mit Kindern betreffen so viele Bereiche unseres gemeinsamen Lebens. Wir müssen uns darauf einigen, wann wir miteinander essen, wer den Tisch abräumt, wer das Wohnzimmer aufräumt, wer die Wäsche wegbringt und vieles, vieles mehr. Und gerade bei Medienzeiten, Handy, Fernsehen, Spielen, fällt es vielen Eltern schwer, Vereinbarungen mit Kindern zu treffen, die auch eingehalten werden. Wie kann es gehen?

In der positiven Disziplin gibt es einige Tools dafür, wie Vereinbarungen getroffen werden können. Beginne bei diesen vier Schritten zur Abmachung von Vereinbarungen mit Kindern:

Führt ein Gespräch, in dem alle ihre Gefühle und Gedanken zu einem Problem teilen können.

  1. Sammelt gemeinsam Lösungsideen und wählt eine aus, die für alle passt.
  2. Vereinbart klare und konkrete Zeitangaben.
  3. Wenn die Abmachung nicht eingehalten wird, vermeide Vorwürfe. Nutze stattdessen nonverbale Zeichen oder frage:
    „Was haben wir vereinbart?“
  4. Klappt es noch nicht? Dann startet wieder bei Schritt 1.

Ermutige, indem du positives Verhalten konkret benennst und dich bedankst.

Bereite diese Gespräche vor. Zum Beispiel könntest du das Kind fragen, wann es Zeit hat, mit dir zu reden. So zeigst du, dass du die Zeit des Kindes respektierst. Du ermöglichst ihm, ganz dabei zu sein ohne sich zu ärgern, bei etwas unterbrochen worden zu sein. Mehr darüber erfährst du in diesem Video über partnerschaftliches Grenzensetzen.

Setze alle Geschwister in dasselbe Boot.

Wenn ihr mehrere Kinder habt, dann beteilige alle an dieser Diskussion. Bedenke: Nicht für alle müssen dieselben Regeln gelten! Fairness und Gerechtigkeit sehen Kinder anders als Erwachsene. Und die meisten Personen in einem Haushalt sind verschieden alt. Sie haben also unterschiedliche Entwicklungsbedürfnisse. Ein 2jähriges sollte noch gar keine Bildschirmzeit bekommen, während der ältere Bruder mit 7 vielleicht schon 15 Minuten spielen darf.

Fairness oder Gerechtigkeit sind für Kinder anders als für Erwachsene!

Konsequenz: Ohne geht es nicht.

Erinnere dich daran: Du bist die Erwachsene. Die Verantwortung für das körperliche Wohl des Kindes liegt bei dir. Du kannst also die Kinder aufklären, mit ihnen gemeinsam recherchieren aber auch darauf aufmerksam machen, dass ein Vorschlag nur so gut ist, wie er für alle nützlich und hilfreich ist.

Dabei ist es wichtig, dass Erwachsene die Konsequenz aufbringen, die Einhaltung dieser Regeln zu kontrollieren und auch darauf zu bestehen. Kinder tun was funktioniert! Was lernt dein Kind, wenn es erlebt, dass es sagen kann: „Nur noch 5 Minuten?“ und damit Zeit gewinnt?

  • Ich brauche mich an Vereinbarungen nicht zu halten.
  • Meine Entscheidungen haben keine echten Konsequenzen.
  • Hinsetzen, reden, warten bis es vorbei ist, dann machen was ich will.
  • Was Mama/ Papa/ Opa sagen, meinen sie nicht so.

So entstehen oft zusätzliche Konflikte, weil du dich nicht nur über dein Kind ärgerst, sondern auch über dich selbst. Versuche also von Anfang an, die Vereinbarungen, die ihr gemeinsam getroffen habt, sehr streng einzuhalten. So lernt dein Kind, dass es keinen Spielraum bei den gemeinsam getroffenen Vereinbarungen gibt.

Gebt euch die Chance und ausreichend Zeit zu lernen, wie die neue Vereinbarung funktionieren kann. Also in der Regel solltet ihr die Vereinbarung 2 Wochen ausprobieren.

Erwarte nicht von deinen Kindern, dass sie wissen, wie Vereinbarungen funktionieren. Zeige ihnen, wie es geht.

Die schönste Vereinbarung gelingt nur, wenn wir konsequent dabei bleiben. Denn Kinder lernen erst, wie sie funktionieren!

Routinen helfen

Routinen helfen, Vereinbarungen einzuhalten Sie geben eurem Alltag Struktur und sorgen dafür, dass nicht jede Situation neu verhandelt werden muss. Auch Routinen kannst du mit dem Kind gemeinsam vereinbaren, etwa indem ihr Routinekarten herstellt und euch ein Routine Chart bastelt.

Familienrat oder Gruppenrat

Eine gute Möglichkeit Routinen und Vereinbarungen gemeinsam zu. Treffen ist der Familienrat oder der Gruppenrat. In diesem Format haben alle die Möglichkeit Ihre Meinung zu sagen und ihre Vorstellungen zu äußern. So schafft ihr gemeinsam verbindliche Regeln, für die sich alle verantwortlich fühlen. .

Einen eigenen Artikel zum Thema Gruppenrat in Kitas und Krippen habe ich gerade in Arbeit.

Komplimente und Dank

Manchmal vergessen wir im Alltag, uns bei Kindern zu bedanken, wenn etwas funktioniert. Auch Komplimente und echte Ermutigung sind gute Tools, um Kinder spüren zu lassen, dass ihr Verhalten richtig ist! Komplimente und Ermutigung sind an dieser Stelle nicht einfach Gemeinplätze wie ZB du bist wunderbar, oder das war toll, sondern. Sage stattdessen dem Kind ganz konkret was du bewunderst, zum Beispiel:

„Du hast den Tisch sehr schön gedeckt!“

„Ich habe gesehen, wie du deine Freundin ermutigt hast. Das hat ihr sicher geholfen!

Auf diese Weise fühlen sich Kinder darin bestärkt, Vereinbarungen einzuhalten und sich dafür verantwortlich zu fühlen.

Möchtest du diese Tools üben?

Möchtest du konkrete Tools üben, die dir helfen, liebevoll und konsequent zu sein? Dann komm in den Kompaktkurs am 28.06. im Freizeitzentrum Upsala in Berlin. Mit diesem Rabattcode erhältst du 10% Ermäßigung bei Anmeldung bis 4.06.: QX6JTSJH

Veranstaltungen zum Thema:

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Bleibe auf dem Laufenden!

Melde dich hier für meinen Newsletter an​

Durch deine Anmeldung akzeptierst du die Datenschutzbestimmungen

Verwandte Beiträge

Blog Posts

Zuhören

Wie kriegen wir Kinder dazu, zuzuhören? Gibt es dafür Tricks und Tools? Die gibt es...

Komplimente, Anerkennung, Wertschätzung​

Komplimente und Anerkennung helfen dir, die positiven Aspekte der Persönlichkeit des Kindes verstärkt...

Vereinbarungen

Vereinbarungen sind keine starren Regeln, sondern lebendige Prozesse. Wenn Kinder sie nicht einhalten, geht es nicht um...

Werte im Team

Werte im Team beeinflussen Zusammenarbeit, Kommunikation und psychologische Sicherheit. Warum gemeinsame Werte...

Translanguaging

Translanguaging hilft Fachkräften in Kitas, die vielen Sprachen eines Kindes als Kompetenz wahrzunehmen und die...

Impulsives Verhalten in der Kita

Immer häufiger melden sich Kita-Teams bei mir, die sich im Alltag durch impulsives Verhalten von Kindern stark...

Klingt gut?

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Über das stille Erinnern an verlorene Geschwister

 Was geschieht, wenn über verstorbene Geschwister nicht gesprochen wird? Dieser Artikel zeigt, wie frühe Verluste nachwirken und gibt Impulse für heilsamen Umgang mit kindlicher Trauer.

Wenn jemand fehlt.

In jeder Familie gibt es sie – diese Geschichten, die irgendwann ans Licht kommen. Manchmal durch ein altes Foto, eine beiläufige Bemerkung oder weil einzelne Details plötzlich nicht mehr zusammenpassen.
Keine Sorge, du bist nicht im True-Crime-Podcast gelandet – es geht um Geschwister, die nicht (mehr) da sind.

Ich erinnere mich gut an meine Schulzeit, in der ich Mathematiknachhilfe von einem Freund der Familie bekam. Sie hatten bereits eine kleine Tochter, auf die ich gelegentlich aufpasste. In ihrem Wohnzimmer stand eine tönerne Figur, die mich als Kind faszinierte – und irritierte. Ich konnte meinen Blick nicht abwenden.
Die Figur zeigte eine schwangere Frau mit einem offenen, hohlen Bauch. In der Küche: eine Kerze, selbstgebastelte Erinnerungsstücke.
Es war klar: Diese Familie hatte ein Kind verloren.

Manche, die ein Geschwisterkind verloren haben, tragen frühe, diffuse Erinnerungen mit sich.

Wenn Babys zweimal verloren werden.

Alle Familien haben Mitglieder, die nicht mehr da sind. Aber wenn ein Baby stirbt, ist es oft besonders schwer. Diese kleinen Menschen werden nicht nur körperlich verloren, sondern häufig auch durch Schweigen.
Und so werden sie – schmerzhaft gesagt – oft zweimal verloren.

Kinder spüren, was unausgesprochen bleibt

Manche, die ein Geschwisterkind verloren haben, tragen frühe, diffuse Erinnerungen mit sich: an die Trauer der Mutter, an ein Gefühl der Leere, an einen Bruch in der Familie, der nie erklärt wurde.
Es gibt mehr dieser Geschichten, als man denkt. Und Kinder spüren, was unausgesprochen bleibt. Sie bemerken Spannungen, erkennen Tabus – auch wenn sie die Worte noch nicht kennen.
Sie ziehen ihre eigenen Schlüsse. Und was sie nicht erinnern können, prägt sie trotzdem. In Form von impliziten Erinnerungen, die später als Erwachsene Gefühle auslösen – ohne dass sie wissen, woher diese kommen.

Deshalb ist es hilfreich, bei Kindern immer wieder nachzufragen: „Willst du etwas wissen?“ „Willst du etwas erzählen?“

Warum Aufarbeitung so wichtig ist

Wie ich auch in der Podcastfolge über Zwillingsbeziehungen beschreibe, ist es deshalb so wichtig, innere Verletzungen und übernommene Glaubenssätze zu erkennen und aufzulösen – am besten bevor man Kinder bekommt.
Ich verlinke dir die Folge des Zwillingspodcasts, bei dem ich zu Gast war.

Kinder beobachten die Welt und ziehen ihre Schlüsse. Junge Kinder, bis etwa 2 Jahre, können diese Schlüsse und Beobachtungen noch nicht so abspeichern, dass sie sie wieder hervorholen können – man nennt dieses Phänomen frühkindliche Amnesie. So werden diese Erfahrungen zu impliziten Erinnerungen. Diese lösen in dir als Erwachsene Gefühle aus, die deine Entscheidungen und Handlungen beeinflussen, ohne dass dir das bewusst ist.

Dem einen Platz geben, was fehlt.

Verlorene Geschwister gehören zur Familie. Es kann heilsam sein, ihnen bewusst einen Platz im Leben zu geben.

Wenn du als kleines Kind erlebt hast, dass deine Mama ein Baby verloren hat, hat dich das geprägt. Vielleicht, weil du gespürt hast, dass etwas nicht stimmte – dass sie traurig war oder krank.
Vielleicht kannst du heute mit anderen Familienmitgliedern sprechen, sie fragen, was sie erinnern, was damals passiert ist.

Ungebührliche Aufmerksamkeit, Macht, Rache oder angenommene Unzulänglichkeit können fehlgeleitete Ziele sein.

Reden hilft – vor allem Kindern

Ich möchte ganz klar sagen: Ich würde niemals einer Frau vorschreiben, wie sie mit einer Fehlgeburt umgehen soll.
Aber aus entwicklungspsychologischer Sicht ist es wertvoll, mit älteren Kindern offen – entwicklungsgerecht und in kleinen Dosen – über das Geschehene zu sprechen.
Kinder verarbeiten Informationen in Etappen. Sie holen sich die Erinnerung immer wieder hervor, betrachten sie aus neuen Blickwinkeln und legen sie dann wieder zurück.

Deshalb ist es hilfreich, regelmäßig nachzufragen:
„Willst du etwas wissen?“
„Willst du etwas erzählen?“

Es geht dabei nicht um grafische Erklärungen – sondern um Gefühle. Über das WIE zu sprechen ist für Kinder hilfreicher, als nur über das WAS zu sprechen. Um die Trauer, die Wut, die Angst, die im Raum stehen. Und darum, dem Kind zu helfen zu verstehen, dass diese Gefühle einen Ursprung haben.

Kinder ziehen private Schlüsse über die Welt. Und diese sind oft noch schlimmer als die Realität.

Fehlt dir jemand?

Wenn du selbst ein Geschwisterkind vermisst, das früh gegangen ist, habe ich einen Vorschlag für dich:
Schreib ihm oder ihr einen Brief.
Setz dich hin mit Papier und Stift und schreibe dieser Person, wie du sie dir vorstellst. Was du ihr erzählen möchtest. Was du vermisst. Was du gerne mit ihr oder ihm erlebt hättest.
Diese Form der Verbindung kann tröstlich und klärend sein.

Unterstützung auf deinem Weg

Wenn du das Gefühl hast, dass deine Familiengeschichte oder -konstellation dich in deiner Elternschaft oder in deiner pädagogischen Arbeit beeinflusst, melde dich gern bei mir.
Ich unterstütze dich dabei, Zusammenhänge zu erkennen – lösungsorientiert, praktisch und mit Methoden der Positiven Disziplin. Buche gleich einen Kennenlerncall oder eine Beratungssession hier.

Möchtest du mehr hören?

Ich habe einen Podcast gestartet, für alle die nicht so gerne Videos ansehen und meinen Content mögen. Vielleicht was für dich? Schau mal vorbei.

Veranstaltungen zum Thema:

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Bleibe auf dem Laufenden!

Melde dich hier für meinen Newsletter an​

Durch deine Anmeldung akzeptierst du die Datenschutzbestimmungen

Verwandte Beiträge

Blog Posts

Zuhören

Wie kriegen wir Kinder dazu, zuzuhören? Gibt es dafür Tricks und Tools? Die gibt es...

Komplimente, Anerkennung, Wertschätzung​

Komplimente und Anerkennung helfen dir, die positiven Aspekte der Persönlichkeit des Kindes verstärkt...

Vereinbarungen

Vereinbarungen sind keine starren Regeln, sondern lebendige Prozesse. Wenn Kinder sie nicht einhalten, geht es nicht um...

Werte im Team

Werte im Team beeinflussen Zusammenarbeit, Kommunikation und psychologische Sicherheit. Warum gemeinsame Werte...

Translanguaging

Translanguaging hilft Fachkräften in Kitas, die vielen Sprachen eines Kindes als Kompetenz wahrzunehmen und die...

Impulsives Verhalten in der Kita

Immer häufiger melden sich Kita-Teams bei mir, die sich im Alltag durch impulsives Verhalten von Kindern stark...

Klingt gut?

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Wutausbrüche

Warum Wutausbrüche bei Kleinkindern keine Trotzanfälle sind. Wie funktioniert Emotionsregulation mit Kleinkindern? Was ist Co-Regulation? Und warum ist sie wichtig? Erfahre 5 konkrete Strategien um Wutanfälle zu begleiten.

Diese Szene kennst du vielleicht…

Du willst dein Kind abholen, und es rastet völlig aus, weil nicht – wie angekündigt – die Oma gekommen ist, sondern du. Oder du sagst einfach: „Jetzt gibt’s kein Eis mehr.“ Und bumm – Wutanfall. Dein Kind schreit, wirft sich auf den Boden, will nicht mehr angesprochen werden. Und du denkst dir: Was ist hier eigentlich los?!

Solche Momente fühlen sich oft total überfordernd an – für uns Erwachsene genauso wie für die Kinder. Aber was passiert da eigentlich? Und warum fordern uns Wutausbrüche so heraus?

Warum man nicht mehr von "Trotzanfällen" spricht

Früher hat man das „Trotzanfälle“ genannt. Klingt so, als würden Kinder das absichtlich machen. Als wollten sie uns ärgern oder herausfordern. Aber das stimmt so nicht.

Kein Trotz – ein Notfall im Gehirn

Was wir heute über Kinder und Entwicklungspsychologie wissen erzählt eine andere Geschichte: Ein Kind in diesem Alter hat noch keine ausgereifte Emotionsregulation. Das Gehirn ist noch mitten in der Entwicklung – besonders der präfrontale Kortex, der für Impulskontrolle und logisches Denken zuständig ist, ist noch lange nicht ausgereift. Wenn ein Kind überfordert ist, übernimmt das emotionale limbische System – genauer gesagt die Amygdala – und schaltet alles andere ab.

Das heißt: Das Kind will sich nicht so aufführen. Es kann sich noch nicht anders ausdrücken.

Was bei einem Wutausbruch im Kind passiert

Ein Wutausbruch ist kein Machtspiel, sondern ein inneres Chaos. Es entsteht, wenn das Kind mit etwas nicht klarkommt: Frust, Müdigkeit, Hunger, zu viele Reize oder das Gefühl, keine Kontrolle zu haben.

Und weil Sprache, Impulskontrolle und Emotionsregulation in diesem Alter noch nicht ausreichend entwickelt sind, reagiert das Kind körperlich. Es wird laut, wirft sich auf den Boden oder schlägt um sich.

Das ist neurologisch betrachtet völlig normal – aber natürlich anstrengend.

Warum Emotionsregulation so wichtig ist

Emotionsregulation ist eine der wichtigsten Entwicklungsaufgaben in den ersten Lebensjahren. Sie ist die Basis für:

  • psychische Gesundheit
  • die Fähigkeit, mit Stress umzugehen
  • Beziehungsfähigkeit und Frustrationstoleranz

Kinder lernen Emotionsregulation nicht von allein – sie brauchen Erwachsene, die ihnen dabei helfen. Das nennt man Co-Regulation. Wenn wir ruhig und präsent bleiben, kann sich das Nervensystem des Kindes an unserem orientieren. Du kennst das vielleicht: dass dein Kind sich daran anpasst, wie du dich gerade fühlst – oder dass es ein Verhalten zeigt, bei dem du im Nachhinein merkst: Ah, so hab ich mich wirklich gefühlt. Dass sie also manchmal unsere Innenwelt spiegeln. Genau so funktioniert es umgekehrt auch: Du kannst für das Kind ein Spiegel sein, an dem es sich abschaut, wie Emotionsregulation funktioniert.

Hast du gewusst: Der Präfrontale Kortex reift bis ins zwanzigste Lebensjahr.

Was NICHT hilft – typische Reaktionen

Wenn du schonmal bei mir im Workshop warst, dann weißt du: Dein Gehirn tut, was es gewöhnt ist. Die meisten von uns sind damit aufgewachsen, dass ihre Gefühle nicht ernst genommen wurden. Oder dass sie dazu angehalten wurden, sie zu verstecken. Falls du Sätze kennst wie: „Ein starker Junge weint nicht!“ oder „Sei nicht so hysterisch!“ dann war das bei dir auch der Fall. Und diese Erinnerungen sind viel älter als deine Rolle als Elternteil oder Fachkraft. Also ruft dein Gehirn, besonders in stressigen Situationen – wie einem Wutanfall in der Öffentlichkeit – erstmal das älteste und gewohnte ab, was es finden kann. Deshalb ist es wichtig, neue Gewohnheiten zu schaffen, zu üben und zu reflektieren.

Bei Wutausbrüchen von Kleinkindern gibt es drei ganz typische Reaktionen von Erwachsenen:

A: Auf das Kind einreden.
Viele sagen dann: „Aber ich hab doch gesagt, dass heute nicht die Oma kommt…“ Oder: „Ist doch nicht schlimm, es gibt morgen wieder Eis.“ Aber: Das Kind hört das in dem Moment nicht. Es ist so überflutet von Emotionen, dass Worte gar nicht ankommen. Du stresst dich nur selbst – und oft wird es schlimmer.

B: Anschreien oder schimpfen.
Manchmal wird es uns zu viel – und wir schreien zurück. Das ist total menschlich. Aber es hilft leider nicht. Denn je stärker wir emotional werden, desto mehr eskaliert auch das Kind. Warum? Weil seine Regulation noch komplett von unserer abhängt. Wenn wir laut und unkontrolliert werden, fühlt sich das Kind unsicher und überfordert. Es kann sogar Angst vor uns kriegen. Denn in den Augen eines kleinen Kindes bist du ein Riese!

C: Entscheidungen übergeben.
„Na, was willst du denn jetzt?! Sag doch was!“ – Auch das ist verständlich, aber in dem Moment ist das Kind nicht entscheidungsfähig. Es braucht Struktur, Klarheit und einen sicheren Rahmen – keinen zusätzlichen Druck. Kinder sind in diesem Alter zu größeren Entscheidungen sowieso noch nicht fähig – du solltest immer eingeschränkte Auswahlmöglichkeiten anbieten! Und im Wutanfall ist das Kind von Emotionen überschwemmt, der präfrontale Kortex und das logische Denken haben gerade Pause. Dein Kind hat schlichtweg keine Kapazitäten mehr, um Entscheidungen abzuwägen. Es ist völlig damit beschäftigt, mit der überwältigenden Emotion umzugehen!

Es ist normal, dass wir in alte Gewohnheiten verfallen. Deswegen müssen wir üben, üben, üben.

Was stattdessen hilft – konkrete Strategien bei Wutausbrüchen

  1. Eigene Regulation zuerst.
    Bevor du etwas sagst oder tust: Regulieren. Das kann heißen: bewusst ausatmen, kurz die Schultern lockern, mit den Zehen wackeln – irgendetwas, das dich runterholt. Denn erst wenn du ruhig bist, kannst du dein Kind wirklich erreichen.
  2. „Name it to tame it“ – dem Gefühl einen Namen geben.
    Das kommt von Daniel Siegel. Wenn du sagst: „Du bist richtig wütend, weil du jetzt kein Eis mehr bekommst!“ – dann fühlt sich das Kind gesehen. Und das hilft. Weil es Orientierung gibt. Und weil das Kind lernt: Gefühle kann man benennen – und dann damit umgehen.
  3. Gesehen werden ist Regulation.
    Wenn ein Kind sich nicht gesehen oder gehört fühlt, verstärken sich die Gefühle oft noch. Dieses Gefühl – ich werde nicht verstanden – kann sich tief einprägen. Wenn wir aber da sind, wahrnehmen und anerkennen, was gerade los ist, hilft das beim Verarbeiten.
  4. Ablenken – ja, das ist okay.
    Gerade bei Kleinkindern ist Ablenken eine total legitime Strategie. Ein einfaches: „Hey, schau mal – da vorne ist der Ulli aus dem Kindergarten!“ reicht manchmal schon, um aus der Überflutung rauszukommen. Und das ist kein Ablenken im Sinne von Wegschauen – sondern ein Impuls zur Regulation.
  5. Klare Führung geben.
    Wenn das Kind überfordert ist, braucht es keine zusätzlichen Entscheidungen. Es braucht Struktur. Zum Beispiel: „Ich trag dich jetzt ins Auto, und du darfst dabei wütend sein.“

Dein Kind will dich nicht ärgern. Es ist gerade verloren und braucht Hilfe.

All diese Strategien musst du nicht von heute auf morgen bei jedem Wutausbruch deines Kindes anwenden. Du musst auch nicht immer zen-mäßig ruhig bleiben und ausgeglichen sein. Kein Mensch kann das und niemand ist perfekt – nicht einmal Eltern. Du kannst aber in kleinen Schritten neue Gewohnheiten schaffen, indem du dir immer wieder bewusst machst: Was hat heute gut funktioniert? Was nicht? Und wie hätte ich gerne reagiert? So übt dein Gehirn neue Verhaltensweisen ein.

Ermutigung für Eltern mit Kinder in der Autonomiephase

Wichtig ist: Du musst nicht perfekt sein. Es ist völlig okay, wenn du dich auch mal aufregst. Entscheidend ist, dass du lernst, dich selbst zu regulieren und deinem Kind dabei eine sichere Begleitung bist.

Wenn du gerade in einer akuten Situation Unterstützung brauchst, kannst du bei mir auch kurzfristig eine Notfall-Session buchen. Dort finden wir gemeinsam praktische Wege, wie du mit deinem Kind gut durch solche Momente kommst.

Außerdem biete ich individuelle Beratungen und längere Begleitungen an, in denen du lernst, wie du die Emotionsregulation deines Kindes nachhaltig fördern kannst – damit es für euch beide leichter wird.

Melde dich gern bei mir, wenn du mehr erfahren möchtest.

Weißt du, dass ich einen spannenden Newsletter herausgebe? Hier findest du eine Leseprobe.

Veranstaltungen zum Thema:

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Bleibe auf dem Laufenden!

Melde dich hier für meinen Newsletter an​

Durch deine Anmeldung akzeptierst du die Datenschutzbestimmungen

Verwandte Beiträge

Blog Posts

Zuhören

Wie kriegen wir Kinder dazu, zuzuhören? Gibt es dafür Tricks und Tools? Die gibt es...

Komplimente, Anerkennung, Wertschätzung​

Komplimente und Anerkennung helfen dir, die positiven Aspekte der Persönlichkeit des Kindes verstärkt...

Vereinbarungen

Vereinbarungen sind keine starren Regeln, sondern lebendige Prozesse. Wenn Kinder sie nicht einhalten, geht es nicht um...

Vereinbarungen mit Kindern

Erwischst du dich öfter dabei, deine Kinder frustriert an Vereinbarungen zu erinnern? In diesem Artikel findest du...

Klingt gut?

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!

Wenn Kinder enttäuscht werden: Warum Annehmen lernen so wichtig ist

Kinder lernen nicht durch Druck, mit Frustration umzugehen, sondern durch Beziehung, Begleitung und die Erfahrung, dass ihre Gefühle sein dürfen. 

Tobias schaut ungläubig. Mit großen Augen und hängenden Armen steht er vor Larissa. Er kann es nicht „wahr-haben“. Noch nicht.

Was ist passiert? Tobias war der festen Überzeugung, sein „bester Freund“ Timur würde ihn zu seiner Geburtstagsfeier einladen.

Situationen wie diese zeigen, wie wichtig es ist, dass Kinder lernen, Enttäuschung anzunehmen und mit starken Gefühlen umzugehen.

Die Mauer der Vergeblichkeit: Liebevoll und bestimmt bleiben

Jetzt steht Larissa vor ihm, als „Mauer der Vergeblichkeit“, wie es Maté und Neufeld in ihrem Buch nennen. Sie sagt ganz klar: „Er hat dich nicht eingeladen.“ Sie präsentiert ihm die Realität. Sie schönt sie nicht. Sie versucht sie nicht zu verändern. Denn ändern kann Tobias daran nichts: Timur hat ihn nicht eingeladen.

Kinder müssen spüren, dass wir auf ihrer Seite sind.

Wenn Kinder enttäuscht werden

So schwierig das manchmal sein kann: Kinder müssen die Realitäten des Lebens annehmen lernen. Sie müssen mit Enttäuschungen umgehen lernen. Dieser Prozess heißt „Adaption“ – Anpassung. Kinder lernen dabei, eine schmerzhafte Realität anzunehmen, die sie nicht verändern können.

Was als nächstes kommt ist sehr abhängig davon, wie Tobias gestrickt ist, was sein Temperament ist und auch, welche Erfahrungen er mit Verletzlichkeit in seinem Leben schon gemacht hat. Vielleicht bekommt er einen Wutanfall. Vielleicht wird er verschlossen. Vielleicht wird er direkt sehr traurig.

Die Mauer der Vergeblichkeit: Sie ist bestimmt und gleichzeitig liebevoll. Diese Klarheit tut Kindern gut.

Larissa weiß, dass diese Frustration in Tobias sehr viele Gefühle auslösen wird. Und vermutlich auch Gefühle, mit denen er nicht sofort umgehen wird können. Sie wird ihn darin begleiten und ihm helfen, seine Traurigkeit über die Zurückweisung, über die Unabänderlichkeit der Situation, anzunehmen.

Sie könnte etwas sagen wie: „Es ist echt traurig, wenn man sich etwas so wünscht.“ Oder „Ich wünschte, das wäre anders gekommen.“ Wichtig für Tobias ist, zu spüren, dass Larissa auf seiner Seite ist. Und dass sie weiß, dass unter der Wut eine Traurigkeit versteckt liegt, die er spüren muss.

Warum Traurigkeit beim Annehmen hilft

Die Traurigkeit über die Unabänderlichkeit einer Situation hilft uns, Dinge anzunehmen. Erst wenn wir die Tränen zulassen, die Traurigkeit spüren dürfen kann unser System loslassen. Wir erleben dann die erleichternde Kraft des Loslassens. Die Traurigkeit über die Unabänderlichkeit einer Situation hilft uns, Dinge anzunehmen. Sie ist ein zentraler Prozess, durch den Kinder lernen, mit Enttäuschung umzugehen.

Was heißt das für Tobias?

Tobias kann dann aufhören, danach zu streben, eingeladen zu werden. Er kann die anstrengenden Versuche, sich bei Timur beliebt zu machen, aufgeben. Seine Energie wird freigesetzt und er kann sich wieder auf andere Dinge konzentrieren. Und vor allem: Er lernt, dass nicht alles immer so kommt, wie er sich das vorstellt.

Im Idealfall hilft dem Kind diese Erfahrung der Enttäuschung, flexibler mit den Gegebenheiten des Lebens umzugehen.

In seinem Gehirn wird dann eine Copingstrategie getriggert: Die Adaption. Er passt sich an. Er zieht daraus Konsequenzen. Vielleicht wird er weniger Zeit und Energie in die Beziehung mit Timur investieren. Oder sich andere Freundinnen und Freunde suchen. Vielleicht kann er endlich aufgeben, Fußball mögen zu wollen, denn es hat ihm in Wirklichkeit nie Spaß gemacht. Er passt sich an. Er steht wieder auf.

Erst durch den machtvollen Akt des Betrauerns und Loslassens kann er diese Energien freisetzen. Er hat die Vergeblichkeit der Situation (nach Neufeld) akzeptiert und lernt daraus. Er lernt: Loslassen kann erleichtern. Enttäuschung gehört zum Leben. Und: Ich kann damit umgehen!

Wie Erwachsene Kinder durch Frustration begleiten können

Larissa hat sowohl seine Wut akzeptiert als auch ihm dabei geholfen, verletzbar zu sein und seine Traurigkeit zu spüren. Sie hat sich nicht auf das Verhalten konzentriert (den Wutausbruch), sondern auf ihre Beziehung zu Tobias.

Sie bot ihm die Sicherheit, seine Verletzlichkeit zu zeigen. In der Klasse könnte Tobias nicht vor seinen Gleichaltrigen weinen und sich so verletzbar zeigen. Die Beziehungen zu den Gleichaltrigen sind meistens noch nicht so reif und nicht so stabil. Tobias brauchte für diesen Prozess eine reife erwachsene Person, die mit ihm durch diesen Prozess durchging. Die Bindung zu Larissa ist dabei stabil genug, dass er sich in seinen Momenten der Traurigkeit zeigen kann. Dass er von seiner Wut zu seiner Trauer findet.

Kinder brauchen starke Beziehungen zu Erwachsenen, um zu lernen, mit Frustration umzugehen.

Kinder brauchen starke Beziehungen (Bindungen) zu Erwachsenen. Sie brauchen unsere Führung und Anleitung, damit ihr Nervensystem lernt, wie es mit starken Emotionen umgehen kann.

Larissa blieb liebevoll und bestimmt: Sie hat ihm nichts vorgemacht oder schöngeredet. Die Fakten des Lebens sind nun einmal – die Fakten des Lebens. Und gleichzeitig gab sie seinen Gefühlen Raum und Wichtigkeit.

Wir müssen Kindern keine Lektionen in Frustrationstoleranz geben. Das Leben ist schon frustrierend genug: Es gibt Einladungen, die nicht kommen, Geschenke, die man nicht haben darf, Parties zu denen man nicht gehen kann, Eltern die sich trennen obwohl man beide liebt, Haustiere die sterben, Brotboxen, die das falsche Brot enthalten. All diese Situationen helfen dabei, stark zu werden. Sie ermöglichen Kindern, mit Enttäuschungen umzugehen. Wir können Kinder darin begleiten, die Kraft des Annehmens zu entwickeln – und so einen gesunden Umgang mit Frustration und Enttäuschung zu lernen.

Was Eltern und pädagogische Fachkräfte konkret tun können um Kinder zu begleiten:

Gefühle benennen statt wegtrösten

„Das ist wirklich enttäuschend.“ – Kinder brauchen Worte für ihr Erleben, keine schnellen Lösungen.

Realität klar und ehrlich lassen

Nichts schönreden oder relativieren. Ein „Ist doch nicht so schlimm“ verhindert echtes Annehmen und Verarbeiten der Enttäuschung. Dabei musst du nicht grausam sein. Der Ton macht die Musik.

Mitgefühl zeigen, ohne zu retten

Da sein, begleiten, aushalten – aber nicht sofort versuchen, die Situation zu lösen.

Wut als Teil des Prozesses verstehen

Wut ist oft der erste Ausdruck von Frustration – dahinter liegt die Traurigkeit.

Raum für Traurigkeit geben

Tränen sind kein Problem, sondern der Weg zur Verarbeitung. Das Kind braucht jetzt Trost und Begleitung.

Raum für Traurigkeit geben

Tränen sind kein Problem, sondern der Weg zur Verarbeitung. Das Kind braucht jetzt Trost und Begleitung. Mit starken Emotionen können Kinder und Jugendliche noch nicht alleine umgehen. Mehr dazu findest du in der Playlist „Negative Gefühle“.

Beziehung vor Verhalten stellen

Der Wutausbruch ist nicht dein Fokus sondern die Begleitung der Emotionen!

Keine schnellen Alternativen anbieten


„Dann machen wir halt was anderes Schönes“ – das kann den Prozess des Annehmens von Enttäuschung unterbrechen.

Selbst ruhig bleiben

Kinder regulieren sich über uns: unsere Haltung wirkt stärker als jedes Wort. Mehr über Co-Regulation findest du in dieser Playlist.

Bitte sei auch liebevoll mit dir selbst. Nicht immer und zu jeder Zeit kannst du geduldig, liebevoll und bestimmt bleiben. Aber vielleicht: Immer öfter!

Hol dir Begleitung!

Gerne erarbeite ich mit dir konkrete Strategien, wie du starke Gefühlsausbrüche deines Kindes oder eines Kindes in eurer Kita-Gruppe oder Schulklasse begleiten kannst. Lust drauf? Gleich anfragen:

Bleibe auf dem Laufenden!

Melde dich hier für meinen Newsletter an​

Durch deine Anmeldung akzeptierst du die Datenschutzbestimmungen

Verwandte Beiträge

Blog Posts

Komplimente, Anerkennung, Wertschätzung​

Komplimente und Anerkennung helfen dir, die positiven Aspekte der Persönlichkeit des Kindes verstärkt...

Vereinbarungen

Vereinbarungen sind keine starren Regeln, sondern lebendige Prozesse. Wenn Kinder sie nicht einhalten, geht es nicht um...

Vereinbarungen mit Kindern

Erwischst du dich öfter dabei, deine Kinder frustriert an Vereinbarungen zu erinnern? In diesem Artikel findest du...

Werte in der Familie

Gemeinsame Werte in der Familie helfen dir, wenn ihr häufige Konflikte über das „Wie“ habt: Wie sprecht ihr...

Tabelle der irrtümlichen Nahziele

Disziplin für Kinder und Regeln sind in vielen Familien und Kindergruppen ein Dauerthema. Aber du wünschst dir eine...

Klingt gut?

Dann buche jetzt eine kostenlose Erstberatung!